
Die Offenbarung des Johannes besteht aus zwei deutlich unterschiedenen und doch eng verwobenen Teilen, nämlich den Sendschreiben (Kap. 2-3) und den Visionen, wobei letztere den Großteil des Buches ausmachen. In den folgenden Erläuterungen geht es zunächst um die Sendschreiben.
Die Offenbarung stammt aus einer Zeit, in der sich die äußere Lage der christlichen Gemeinde zusehends verschlechterte. Immer entschiedener forderten die römischen Kaiser vom Volk göttliche Verehrung. Einer solchen Forderung konnten die Christen jedoch unmöglich nachkommen, ohne ihren Herrn zu verraten. Damit begann für sie der Weg in die Verfolgung und ins Leiden.
Die sieben Sendschreiben sind an Gemeinden in Kleinasien adressiert. Die symbolträchtige Zahl „Sieben“ verrät aber, dass sie stellvertretend für alle christlichen Gemeinden aller Zeiten stehen. Jede der angeschriebenen Gemeinden verkörpert eine „typische“ Situation, in der sich Gemeinden bis heute wiederfinden können. Dadurch sind die sieben Sendschreiben eine Art „diagnostisches Manual“ für Zustand, aktuelle Gefährdung und erste Therapieschritte.
Die Struktur der Briefe folgt einem wiederkehrenden Rhythmus, ohne mechanisch und monoton zu werden. Sie ist allen Briefen gemeinsam, wird jedoch individuell an den Inhalt angepasst. Nach dem Auftrag des auferstandenen Herrn, an eine bestimmte Gemeinde zu schreiben, stellt sich Christus mit Merkmalen aus der Eingangsvision vor, z.B. „So spricht Er, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält.“ Danach folgt eine eingehende Diagnose des geistlichen Zustands der jeweiligen Gemeinde. Das Urteil des Herrn weicht dabei vom „Selbstbild“ der Angeschriebenen markant ab. Gemeinden, die von sich eingenommen sind und sich stark, reich und lebendig fühlen, werden damit konfrontiert, in Wahrheit elend, nackt und bloß zu sein. Andere Gemeinden fühlen sich schwach und chancenlos, im Urteil des Auferstandenen jedoch sind sie treu und bewährt. Christus wird ihnen Türen öffnen und sie vor falschen Anklagen rechtfertigen.
Mit dem Satz: „Wer Ohren hat zu hören, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt“ werden die Briefempfänger aufgerüttelt, sich dem Wort ihres Herrn zu stellen, auch wenn es schmerzhaft ist. Am Ende jedoch dominiert nicht die sachlich-kühle Diagnose, sondern Christus wirbt und lockt mit herzerwärmenden Verheißungen. Nicht nur die Gemeinde als Ganzes, sondern jeder einzelne Christ hat die Chance ein „Überwinder“, ein Sieger zu sein.
Vorstellungstext Sendschreiben der Johannesoffenbarung (PDF) – HIER anklicken