
Der 1. Johannesbrief ist ein Lehrschreiben. In vielen Gemeinden im Umland der antiken Metropole Ephesus griff eine gefährliche Irrlehre um sich. Sie gründete sich auf die Aussage, der Sohn Gottes habe nur scheinbar menschliche Gestalt angenommen. (Im Griechischen heißt das Wort für „den Anschein haben“ dokein. Die Lehre nennt man in der Forschung daher „Doketismus“)
Schon in den einleitenden Worten stemmt sich der erste Johannesbrief energisch einer solchen Meinung entgegen: Jesus Christus ist als Sohn Gottes wirklich Mensch geworden ist. Nur so kann er die Liebe und Nähe Gottes zu den Menschen verkörpern und sie erretten. Man spürt die eigentümliche Sprache, die uns schon aus dem Johannesevangelium bekannt ist. Verschiedene Gedanken umkreisen auf meditative Weise ein Thema, vertiefen es und wandern weiter zum nächsten. Gegensatzpaare wie Licht und Finsternis oder Wahrheit und Lüge prägen sich ein.
Die Anliegen des Johannes erkennt man deutlich aus den Themen des Briefes. Einerseits will der Apostel vor den oben genannten Irrlehrern warnen: „Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind.“ (4,1). Gleichzeitig bietet er alle Mittel auf, um den verunsicherten Christen Gewissheit über ihren eigenen Glauben zu geben: „Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt; ihr, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt“ (5,13). Nicht zuletzt ist es sein Ziel, die Christen auf dem Weg der geschwisterlichen Liebe zu bestärken. Denn die Anhänger der neuen Lehre schauten offenbar überheblich auf die anderen herab. In der Liebe liegt aber der innerste Kern der Offenbarung Gottes in Christus; denn „Gott ist Liebe“, und darum gilt: „Wer in der Liebe lebt, der lebt in Gott, und Gott lebt in ihm“ (4,16).
Vorstellungstext 1. Johannesbrief (PDF) – HIER anklicken