
Wenn wir einmal einen Anlauf nehmen und die Offenbarung des Johannes ganz durchlesen, stoßen wir bald auf Schilderungen und visionäre Bilder, die wir als beklemmend und angstmachend erleben und uns rätselhaft bleiben. Diese urchristliche Schrift drückt sich in der typischen Symbolsprache der Apokalyptik aus. Sie hat aber nur eine einzige Absicht, nämlich: den Christen Ruhe und Zuversicht im Chaos der Weltgeschichte zu geben.
Entstanden ist das Buch der Offenbarung in einer Zeit, als sich die äußere Lage der christlichen Gemeinde zusehends verschlechterte. Immer entschiedener forderten die römischen Kaiser vom Volk, als Götter angebetet zu werden. Domitian (81-96 n. Chr.) war der erste Kaiser, der sich offiziell mit dem Titel „Herr und Gott“ anreden ließ. Die Christen hatten sich stets darum bemüht, gute Bürger zu sein, aber hier konnten sie nicht mehr mit. Mit ihrer Verweigerung betraten sie einen Weg, der sie tiefer und tiefer in die Verfolgung und das Leiden führte.
Nach den Sieben Sendschreiben besteht der überwiegende Teil der Offenbarung aus dramatischen Bildfolgen, in denen sich apokalyptische Katastrophen und lichtdurchflutete Szenen aus der himmlischen Welt abwechseln. Dabei wird uns gezeigt, wie letztlich jede antigöttliche Bosheit so kanalisiert wird, dass sie gegen ihren erklärten Willen ein Mitspieler zur Erfüllung der Pläne Gottes sein muss. Denn im Hintergrund steht das „Lamm, das geopfert wurde“, das würdig ist „Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob“.
Das Buch Offenbarung will uns Christen also ein Fenster zum Himmel aufstoßen. Es proklamiert den einen Herrscher über Zeit und Ewigkeit, Jesus Christus, und mahnt eindringlich, sich ganz auf seine Seite zu stellen. Das kann zunächst einmal Leiden und Benachteiligungen heißen. Doch warnt diese biblische Schrift davor, sich vom Glanz irdischer Macht und Größe, von Wohlstandswahn und Fortschrittseuphorie blenden zu lassen. Politische Macht ist besonders gefährlich, wenn sie sich religiös inszeniert. Es ist aber allein der „Herr“ (Kyrios) Jesus Christus, der das letzte Wort über die Welt und über jeden einzelnen Menschen spricht. Am Ende münden alle irdischen Vorgänge in die Ewigkeit ein. Die ist erfüllt von Frieden, Freude und Lebensfülle in der Gegenwart Gottes und Jesu Christi.
Vorstellungstext Visionen der Johannesoffenbarung (PDF) – HIER anklicken