Die beiden kurzen Johannesbriefe sind eher Notizen als richtige Briefe. Sie sind gerade lang genug, um ein damals alltagsübliches Papyrusblatt zu füllen. Der Verfasser, der sich selbst „der Älteste“ nennt, bekennt darin ganz freimütig, dass er nicht gerne mit Tinte und Feder schreibt (2. Joh 12; 3. Joh 13). Aufgrund ihrer Kürze wurden sie hinter dem ausführlicheren 1. Johannesbrief eingeordnet, obwohl sie zeitlich vor diesem anzusetzen sind.
Der sog. 2. Johannesbrief wurde von einem persönlichen Vertrauten des „Ältesten“ an die kleinen Hausgemeinde überbracht. Darin kündigt der Älteste seinen Besuch an. Die Abgesandten konnten eigentlich damit rechnen, herzlich aufgenommen zu werden und Gelegenheit zu finden, den Besuch inhaltlich vorzubereiten und die Planung in Gang zu bringen.
Im 3. Johannesbrief erhalten wir nun Einblick in ein unschönes Erlebnis, das den Abgesandten des Apostels widerfuhr. Einer der Leiter einer kleineren Hausgemeinde, ein gewisser Diotrephes, hatte den Abgesandten nicht nur das Gastrecht verweigert, sondern auch jene Christen, die sie bei sich aufnahmen, aus der Gemeinde ausgeschlossen. War Diotrephes der erste namentlich bekannte christliche Leiter, der „seine“ Gemeinde als sein persönliches Königreich betrachtete, in das sich niemand einmischen dürfe? Doch der Älteste dankte einem nicht näher bekannten Gaius dafür, dass er die gesandten Missionare aufgenommen und deshalb – so muss man wohl schließen – den Zorn des Diotrephes auf sich gezogen hatte.
Letztlich musste Johannes doch den von ihm ungeliebten Weg beschreiten, der Irrlehre mit einem ausführlichen Lehr- und Seelsorgebrief entgegenzutreten und die Gemeinden gegen ihren Einfluss zu wappnen. Dieser längere Brief ist aus Sicht des Johannes sein dritter. Wir kennen ihn unter der Bezeichnung 1. Johannesbrief.

Vorstellungstext 2. und 3. Johannesbrief (PDF) – HIER anklicken