
„Zweiter Petrusbrief“? – Da gibt es wohl manche, die im ersten Moment grübeln, ob sie ihn schon einmal gelesen haben und was in dieser kleinen Schrift im Neuen Testament eigentlich steht. Doch dann wird man überrascht: Mindestens zwei bekannte Bibelstellen stammen aus diesem Brief. Der eine ist „Bei Gott ist ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag“. Der andere: „Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.“
Der zweite Petrusbrief gehört zu den Apostelbriefen, die keinen eindeutigen Adressaten haben und sich „allgemein“ an alle richten. „Allgemein“ heißt auf griechisch „kat-holon“. Daher kommt die Bezeichnung „katholische Briefe“. Der zweite Petrusbrief hat mit dem ersten wenig Ähnlichkeit und läuft über weite Strecken parallel zum Judasbrief. Das gibt der Forschung allerlei Fragen auf, die wir hier aber nicht weiter verfolgen.
Inhaltlich geht es um ein beherrschendes Thema: Die erste Generation der Christen hatte die Wiederkunft Christi in naher Zukunft erwartet. Doch die Erfüllung dieser Hoffnung war nicht eingetroffen. Das verunsicherte viele Gläubige und führte bei manchen dazu, die Erwartung von einem sichtbaren Ende der Welt ganz aufzugeben oder psychologisch umzudeuten. Einfühlsam, aber nachdrücklich hält der Brief dagegen: Unsere Zeitvorstellungen können nicht auf Gottes Handeln angewendet werden. Das Ausbleiben der Wiederkunft Christi ist vielmehr ein Ausdruck der Geduld, die Gott mit den Menschen hat. Er will allen so lange wie möglich die Türe offenhalten, dass sie zu ihm umkehren können. Die Christen werden eindringlich darin bestärkt, mit ganzem Herzen und unbeirrt bei Christus und seinem Evangelium zu bleiben.
Vorstellungstext 2. Petrusbrief (PDF) – HIER anklicken