
Der Jakobusbrief ist eine judenchristliche Weisheitsschrift, die sich an „das Volk Gottes, das über die ganze Welt zerstreut ist und dort in der Fremde lebt“ (Vers 1,1) richtet. Sein Absender stellt sich vor als „Jakobus, der Gott und Jesus Christus, dem Herrn, dient“. Gemeint ist Jakobus, der leibliche Bruder Jesu. Er hatte nach der Anfangszeit der Jerusalemer Urgemeinde deren Leitung übernommen, nachdem Petrus auf Missionsreise gegangen war.
Jakobus bedient sich im Brief eines schroffen Tones, wie er traditionell zum Stil der weisheitlichen Ermahnung gehört. Als Leser wird man da mit den Formulierungen „du Narr“, „weißt du nicht“, „verstehst du nicht“ angegangen und ganz und gar nicht mit Glacéhandschuhen angefasst. Im Besonderen geht es im Jakobusbrief um zwei Themen: die Hinwendung zu den Armen und die Polemik gegen einen Glauben ohne praktische Konsequenzen. Das bestimmende Motto lautet (1,22): „Seid Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst.“ An diesem Punkt scheint sich der Brief gegen ein Missverständnis zu wenden. Übereifrige Anhänger des Paulus hatten dessen Lehre sehr verbogen. Für sie war sowohl das konkrete Verhalten als auch die persönliche Ethik eines Christen nebensächlich geworden, wenn man nur glaubte und auf diesem Weg die Vergebung zugesprochen bekam. Aus den Worten des Jakobusbriefes spricht die Überzeugung: Was Segen oder Unsegen im eigenen Leben und dem der anderen hervorbringt, ist nicht eine richtige Lehre oder gute Absicht, sondern das, was man letztlich tut.
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