Der Hebräerbrief will Jesus Christus groß machen und in uns Gläubigen die Faszination darüber wecken, was wir an ihm haben. Der Verfasser dieses Briefes tut dies auf eine ganz eigene Art, die sich von allen anderen Schriften im NT deutlich abhebt. Eigentlich ist er eine Predigt in Form eines Briefes und wurde ursprünglich wohl in mehreren Abschriften in christlichen Gemeinden verbreitet. Daher das Fehlen einer konkreten Adresse und der üblichen Eingangsformulierungen. Obwohl wir den Verfasser nicht kennen, zeigt er sich uns als vollmächtiger judenchristlicher Bibellehrer mit hellenistischer Schulbildung.
Die Empfänger sind im Glauben matt und kraftlos geworden. Das lässt sich aus dem Brief deutlich herauslesen. Sie sind sich nicht mehr im Klaren darüber, was ihnen ihr Glaube überhaupt noch wert ist. In diesem Zustand haben sie den beginnenden Verfolgungen wenig entgegenzusetzen. Immer wieder hören wir den Aufruf „Lasst uns festhalten, zum himmlischen Thron Christi hinzutreten, nicht zurückbleiben, einander ermuntern“. Es soll ein Ruck durch die Gläubigen gehen. Sie sollen sich aufrichten und den Blick entschlossen nach oben richten. Was sie dann zu sehen bekommen ist ein Panoramabild der Größe unseres himmlischen Hohepriesters. Sein Werk umfasst Himmel und Erde. Ein für allemal hat er die Schuld der Menschen aus der Welt geschafft. Nun tritt er für sie als Fürsprecher beim Vater ein. Auf seinem irdischen Weg durch Leiden, Tod und Auferstehung hat er als Pionier die Bahn zum Ziel gebrochen. Diese Bahn ist nun der Weg, auf dem seine Nachfolger und Nachfolgerinnen gehen können.
Der Hebräerbrief mahnt, tadelt und lockt. Niemand soll zurückbleiben und schlapp machen. Ja, der Brief schildert das Leben der Christen als eine „lange Wanderung“. Aber er, auf den alles ankommt, ist bei ihnen und kümmert sich verständnisvoll um sie. Christus, der ihnen zu Gott vorausgegangen ist, wird sie auch sicher ans Ziel bringen. Denn dieser himmlische Kyrios und Hohepriester, Sohn des Allerhöchsten, ist keine Erinnerung, die langsam verblasst und keine vage Vertröstung, die uns irgendwann nicht mehr motiviert: Er ist „Jesus Christus – gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“

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