Der 2. Timotheus hat viele sprachliche und inhaltliche Gemeinsamkeiten mit dem 1. Timotheus- und dem Titusbrief. Diese drei Briefe tragen deshalb auch die gemeinsame Bezeichnung „Pastoralbriefe“, d.h. Briefe an Gemeindehirten (Pastoren). Sie enthalten praktische Anweisungen und geistliche Ermutigung an die beiden engsten und bekanntesten Mitarbeiter des Apostels – und durch sie an alle Männer und Frauen, die ihnen in diesem Amt nachfolgen werden.
Wie wir schon bei der Vorstellung des 1. Timotheusbriefs gesagt haben, geht es in diesen drei Schreiben um den Kampf gegen eine Irrlehre, die durch zwei Merkmale beschrieben wird: Einerseits gab es viel Geheimniskrämerei um rätselhafte Bibelabschnitte, die angeblich den Schlüssel zu verborgenen Einsichten enthielten. Andererseits waren die Irrlehrer in ihrem moralischen Verhalten undurchsichtig und standen im Verdacht, sich an gutgläubigen Christen zu bereichern. Um dieser Irrlehre entgegentreten zu können, fordern die Pastoralbriefe geordnete Gemeindestrukturen mit verschiedenen Ämtern (Bischöfe, Presbyter, Diakone), die der christlichen Lehre und der seelsorgerlichen Lebensunterweisung Stabilität und Klarheit geben.
Die Pastoralbriefe gehören in die Spätzeit der paulinischen Missionsbewegung. Nach dem Tod des Apostels wurden sie durch praxisbewährte Hilfestellungen zur Gemeindearbeit ergänzt. So ergaben sich daraus Handbücher für christliche Leiter in den Gemeinden, die durch Paulus entstanden waren, auch in einer Zeit, als der Apostel selbst nicht mehr da war.
Unter diesen drei Pastoralbriefen nimmt der 2. Tim eine Sonderrolle ein. Denn er hat den Charakter eines „Testaments“, das Paulus dem Timotheus hinterließ. Deutlicher als in den anderen beiden Briefen spricht der große Völkerapostel von seinem nahenden Tod. Er schärft seinem Mitarbeiter ein, für das Evangelium zu kämpfen und Vorbild in Leiden und Verfolgung zu sein. Darin nennt Paulus sich selbst als Vorbild für den Timotheus.
Ein markanter Text aus 2. Tim ist 1,7: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Vorstellungstext 2. Timotheusbrief (PDF) – HIER anklicken