Im 2. Korintherbrief gewährt uns der Apostel Paulus einen ungewöhnlich persönlichen Einblick in sein Erleben und seine Gefühlswelt. Der tägliche Kampf mit einem körperlichen Leiden und die fortgesetzten Anfeindungen, sogar aus den von ihm gegründeten Gemeinden, setzten ihm hart zu. Wir erleben einen verletzten Menschen, der am Rande seiner seelischen Kräfte noch um die Gemeinde in Korinth kämpfte. Vorausgegangen war dem Brief ein Besuch des Paulus in Korinth. Bei dieser Gelegenheit wurde er unter dem Einfluss selbsternannter „Superapostel“, die sich viel auf ihre besonderen Offenbarungen, Ekstasen und mitreißenden Ansprachen einbildeten, richtiggehend fertig gemacht. Seine Berufung zum Aposteldienst sowie seine praktische Befähigung dafür wurden in Frage gestellt. Sogar die Unterschlagung von Spendengeldern unterstellte man ihm bei dieser Begegnung. Paulus suchte unter Aufbietung aller Kräfte einen gangbaren Weg zwischen der bitteren persönlichen Kränkung und seiner Verantwortung für eine neue, gute Entwicklung der Gemeinde.
Beim Lesen bietet der Brief ein uneinheitliches Bild mit irritierenden Gedankensprüngen und Stimmungsumbrüchen. Es spricht einiges dafür, dass im 2. Korintherbrief kleinere Einzelbriefe zusammengefügt wurden, die Paulus vor seiner Abreise aus Ephesus bzw. von unterwegs nach Korinth vorausgeschickt hatte. Wir wissen, dass Paulus den Konflikt mit Korinth in seinem Sinne lösen konnte. Er verbrachte dort nämlich eine ganze Wintersaison und nutze die erzwungene Ruhe, um den Römerbrief zu schreiben. Es ist gut vorstellbar, dass er in dieser Zeit auch die Teilbriefe eigenhändig zum heutigen 2. Korintherbrief als einem Ganzen zusammenfügte. Dabei stellte er den versöhnlichen Teilbrief an den Anfang, sozusagen als Grundakkord und Aussage, dass der Konflikt gut ausgegangen ist.
Es finden sich viele wichtige Themen im 2. Korintherbrief: z.B. „Der Dienst der Versöhnung“, „Gott ist im Schwachen mächtig“, die „Narrenrede,“ mit der Paulus in der Art der Superapostel seine Vorzüge anpreist, obwohl ihm das völlig gegen den Strich geht. Der feierliche Schlusspunkt des Briefes besteht in dem trinitarischen Segensspruch (2. Kor 13,13): „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“

Vorstellungstext 2. Korintherbrief (PDF) – HIER anklicken