
Im Sühnekult Israels wurde die Schuld der Menschen auf den Leib eines Opfertieres übertragen. Dabei fand ein Lebensaustausch statt zwischen dem Menschen und dem Tier. Der Mensch konnte seine Schuld „abgeben“ und weiterleben. Nun heißt es hier: Christus hat unsere Sünden auf seinen Leib aufgeladen: Er, der wahre Priester vor Gott, macht sich selbst zum Opfertier, zum Träger der Schuld und der Strafe, die daraus folgt. „Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes hinaufgetragen.“
Warum wird hier so auffallend vom „Holz“ gesprochen? An vielen anderen Stellen steht „Kreuz“. Doch mit dem Begriff „Holz“ wird das ausgesprochen, was hinter der römischen Form der Hinrichtung durch Kreuzigung steht. In 5. Mose 21,23 lesen wir: Ein am Holzpfahl Aufgehängter ist verflucht bei Gott. Das Pfählen war eine so schreckliche Hinrichtungsart, dass man daraus schloss, Gott könne mit einem so Hingerichteten nichts zu tun haben. In Gal 13,3 aber heißt es: „Christus hat uns vom Fluch des Gesetzes freigekauft, indem er für uns zum Fluch geworden ist; denn es steht in der Schrift: Verflucht ist jeder, der am Holzpfahl hängt.“ Christus hat diese äußerste Gottverworfenheit auf sich genommen.
Zum Anhören:
Zum Nachlesen: