
Zur Krönung seines Missionseinsatzes fehlt Jona eigentlich nur eins: dass Gott das Unheil hereinbrechen lassen und so den Beweis liefern würde, dass er, Jona, ein wahrer Prophet ist. Doch was dann geschieht, bricht Jona das Herz: die Stadt geht in Sack und Asche und Gott zeigt sich voll Liebe und Erbarmen. Er hat Geduld, und seine Güte kennt keine Grenzen. Das Unheil, das er androhte, hat ihm, wie zuvor schon so oft, hinterher leidgetan.
Es ist zum Heulen! Wie schrecklich, empörend! Gottes Liebe, Erbarmen, Geduld und Güte! Das ist ja schön und gut! Das betrifft aber doch nur die, die auf der richtigen Seite stehen und nicht auch noch für die anderen. Zur größten Erzürnung des Propheten zeigt Gott genau denen nicht die kalte Schulter, sondern sein weiches Herz. Der Schlüssel zum Buch Jona ist der letzte Satz aus Gottes Mund: „Sollte mir nicht diese große Stadt leidtun, in der mehr als 120.000 Menschen leben, die rechts und links nicht unterscheiden können, und dazu noch das viele Vieh!“
Die archaische Vorstellung, dass Gott gütig zu seinen Leuten und gnadenlos gegen die anderen, die Feinde, die Ungläubigen, ist, wird hier ausgehebelt: Gott ist gnädig auch zu den anderen, einfach weil sie Menschen sind
Zum Anhören:
Zum Nachlesen: