Wenn wir danach fragen, was die Verbindung zwischen der prophetischen Verheißung eines neues Bundes und dem Abendmahl ist, müssen wir ein Element aus den Texten bei Jeremia und Ezechiel aufgreifen. Wie ein unbetonter Nachgedanke findet sich bei Jeremia der Satz: „Denn ich werde ihnen ihre Schuld vergeben und nicht länger an ihre Sünde denken“ (Jer 31,34). Ähnlich Ezechiel (36,25): „Ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet.“
Was ist an diesen Sätzen so weltbewegend? Sündenvergebung war doch das Dauerthema der Religion in Israel. Der Sühnekult am Tempel hatte doch nur ein Ziel: Das lähmende, krankmachende und schließlich tödliche Gift der Schuld aus dem Blutkreislauf der Menschen und des Volkes zu filtern. Und wenn sich dann doch ein latenter Bodensatz von nicht gesühnter Schuld angesammelt haben sollte, dann wurde er einmal im Jahr, am Großen Versöhnungstag, mit dem Ritual ausgeräumt, wenn der Hohepriester in das Allerheiligste ging und dort in der Gegenwart Gottes für Israel eintrat. Doch wenn die Prophetentexte die Sündenvergebung ausdrücklich nennen, dann muss auch diese von einer bisher nicht bekannten Qualität sein. Und diese Einsicht bringt uns ins Herz des Abendmahls.

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