Wer im Epheserbrief zu lesen beginnt, betritt einen feierlichen Raum. Die Sprache ist über weite Strecken wie ein Gebet, auch in den Briefabschnitten, die nicht im eigentlichen Sinn Gebete sind.
In alten Handschriften fehlen in der Überschrift die Wörter „in Ephesus“. Darum überlegt man in der Forschung, ob der Epheserbrief nicht ursprünglich ein Rundbrief an mehrere Gemeinden in Kleinasien war und dann in Ephesus aufbewahrt wurde. In dieser bedeutendsten Hafenstadt Kleinasiens hat Paulus zwei bis drei Jahre gewirkt. Die Apostelgeschichte erzählt von großen Erfolgen. Aus den Briefen des Paulus kann man jedoch erkennen, dass er dort auch einige Wochen oder Monate im Gefängnis war und in äußerster Lebensgefahr schwebte.
Inhaltlich ist der Epheserbrief ein tiefsinniges Lehrschreiben von der Kirche als dem ‚Leib Christi’. Die Kirche ist das neue, universale Gottesvolk aus Juden und Heiden. Die Trennwand, die zwischen den beiden bestand, ist durch das Kreuz Christi überwunden. Die Leser werden gemahnt, auf ihre Berufung mit einem würdigen Lebenswandel zu antworten. Das Bild vom Ablegen schmutziger Kleidung und dem Anziehen neuer, sauberer Gewänder veranschaulicht diesen Gedanken. Als Christus auferweckt und von Gott zum Herrn des gesamten Alls eingesetzt wurde, errang er den Sieg über alle gottfeindlichen Mächte. Wer sich nun zu Christus hält, ist deren Einfluss und wütenden Rückzugsgefechten entzogen. Was den Gläubigen in dieser Situation hilft, ist unter anderem die geistliche Waffenrüstung. Sie wird gegen Ende des Briefes bildhaft beschrieben.

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