
Wir wollen hier die Ereignisse anschauen, die zwischen dem Tod Jesu und dem Ostermorgen lagen. Man ist beeindruckt von der Einstimmigkeit, mit der die Evangelisten die Schlüsselrolle der Frauen im ganzen Geschehen von Karfreitag bis Ostersonntag berichten. Sie sind anwesend bei ihrem sterbenden Jesus. Sie folgen Josef von Arimathäa und prägen sich genau ein, in welches Grab er gelegt wird. Sie sind am Ostermorgen als erste da, wollen die schmerzliche Liebespflicht der Totensalbung vornehmen und sie werden zu den primären Zeuginnen des leeren Grabes und überbringen den Aposteln die Botschaft des Engels.
Noch in der Zeit von Johann Sebastian Bach wurde der Karsamstag als Tag der Grabesruhe Jesu als stiller Tag der Besinnung in der Gesellschaft begangen. Keine Arbeit, schon gar nicht Vergnügungen. Darum hat auch Johann Sebastian Bach darauf verzichtet, in seinen großen Passionen einen Hinweis auf Ostern einzufügen. Sie enden mit einem Abschied der Sänger und Sängerinnen und des Chores. In der Matthäuspassion klingt das so: „Nun ist der Herr zur Ruh gebracht. Mein Jesu, gute Nacht! Die Müh ist aus, die unsre Sünden ihm gemacht. Mein Jesu, gute Nacht! O selige Gebeine, seht, wie ich euch mit Buß und Reu beweine, dass euch mein Fall in solche Not gebracht. Mein Jesu, gute Nacht! Habt lebenslang vor (für) euer Leiden tausend Dank, dass ihr mein Seelenheil so wert geacht’t. Mein Jesu, gute Nacht!“ – Und dann schließt sich der mächtige Schlusschor ein, eine Art Schlaflied für den gequälten und ausgemergelten Leichnam Jesu: „Wir setzen uns mit Tränen nieder und rufen dir im Grabe zu: Ruhe sanft…“
Synopse: Abnahme vom Kreuz und Grablegung