
Die beiden Briefe des Paulus an Timotheus und der an Titus heißen zusammen „Pastoralbriefe“, d.h. Briefe an (Gemeinde)-Hirten (Pastoren). Sie enthalten praktische Anweisungen und geistliche Ermutigung an die beiden engsten und bekanntesten Mitarbeiter des Apostels – und durch sie an alle Männer und Frauen, die ihnen in diesem Amt nachfolgen werden.
In diesen drei Schreiben geht es um den Kampf gegen eine Irrlehre, die durch zwei Merkmale beschrieben wird: Einerseits gab es viel Geheimniskrämerei um rätselhafte Bibelabschnitte, die angeblich den Schlüssel zu verborgenen Einsichten enthielten. Andererseits waren die Irrlehrer in ihrem moralischen Verhalten undurchsichtig und standen im Verdacht, sich an gutgläubigen Christen zu bereichern. Um dieser Irrlehre entgegentreten zu können, fordern die Pastoralbriefe geordnete Gemeindestrukturen mit verschiedenen Ämtern (Bischöfe, Presbyter, Diakone), die der christlichen Lehre und der seelsorgerlichen Lebensunterweisung Stabilität und Klarheit geben.
Die Pastoralbriefe gehören in die Spätzeit der paulinischen Missionsbewegung. Nach dem Tod des Apostels wurden sie durch praxisbewährte Hilfestellungen für die Gemeindearbeit ergänzt. So ergaben sich daraus Handbücher für christliche Leiter in den Gemeinden, die durch Paulus entstanden waren, auch für eine Zeit, als der Apostel selbst nicht mehr da war.
Im 1. Timotheusbrief findet man ausführliche Kriterien für das Amt der Bischöfe (nach heutigem Verständnis für Pastoren) und Diakone), sowie praktische Regelungen zur Versorgung der Witwen. Ein markanter Text in diesem Brief ist der kurze Christus-Hymnus 1. Tim 3,16: „Und groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.“
Vorstellungstext 1. Timotheus (PDF) – HIER anklicken