
Die antike Stadt Kolossä lag im Landesinneren von Kleinasien in der heutigen Türkei. Eine Handelsstraße führte durch Kolossä nach Westen weiter bis zum Mittelmeer und endete in einer der prachtvollsten Metropolen des Altertums, der Hafenstadt Ephesus. Diese pulsierende Stadt Ephesus machte Paulus für etwa zwei Jahre zum Mittelpunkt seiner Missionsarbeit und sandte von dort aus seine Mitarbeiter in alle Himmelsrichtungen aus. Einer von ihnen namens Epaphras zog ins Landesinnere in das Gebiet der Städte Loadizäa, Hierapolis und Kolossä. Dort missionierte er und gründete Gemeinden. Paulus selbst kannte diese Gemeinden und ihre Menschen noch nicht persönlich.
Doch jetzt waren besorgniserregende Nachrichten aus Kolossä zu ihm gedrungen. Sie gaben den Anlass für den Kolosserbrief. Eine eigentümliche esoterische Philosophie hatte Einfluss in der Gemeinde gewonnen. Sie lehrte, dass unsichtbare Mächte und kosmische Kräfte als Pfeiler der Weltordnung höchste Beachtung forderten. Man musste – neben dem Glauben an Jesus Christus – auch diesen anderen Mächten den nötigen Respekt erweisen und fasten, enthaltsam leben, sowie heilige Zeiten und Reinheitsvorschriften beachten. Nur dann wäre gesichert, dass die Welt im Gleichgewicht bleibt.
Der Apostel Paulus stellt solchen Anschauungen energisch die Aussage entgegen: Unsere Rettung ist durch Christus vollbracht und in ihm allein unumstößlich verankert. Alle sichtbaren und unsichtbaren Mächte sind seiner Herrschaft unterworfen. Mit ihm sind wir Christen schon jetzt zum Leben durchgedrungen, auch wenn es vorläufig noch verborgen ist. Deshalb braucht sich niemand durch Zusatzlehren beunruhigen zu lassen. Über Christus hinaus gibt es nichts, was uns Kopfzerbrechen bereiten müsste. In ihm allein sind alle Schätze der göttlichen Weisheit verborgen (2,3).
Die Sprache des Kolosserbriefes lässt Eigenheiten erkennen, die sie von der anderer Paulusbriefe unterscheiden. Eine naheliegende Erklärung wäre: Paulus, der zur Zeit der Abfassung inhaftiert war, konnte aufgrund verschärfter Haftbedingungen den Brief nicht wie sonst üblich Wort für Wort diktieren. Er besprach daher den Inhalt mit einem Mitarbeiter im Detail, übertrug ihm jedoch dann die letzte Ausformulierung der Gesprächsnotizen.
Vorstellungstext Kolosserbrief (PDF) – HIER anklicken